Berufsorientierung im Studium – Der Einstieg in die Praxis

„Alarmstufe Rot für viele Berufe” gab das Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in der Engpassanalyse 2013. Thema war der Fachkräftemangel in Deutschland und dieser beschäftigt seit einiger Zeit die öffentliche Diskussion in Deutschland. Über die Existenz und die Höhe des Bedarfs an qualifizierten Beschäftigten wird dabei vehement gestritten. Ein Arbeitsmarktreport der ARD behauptete im Juli 2014 gar das „Märchen vom Fachkräftemangel”. Die Untersuchungen spezifizieren dabei zunehmend das Phänomen auf Branchen und Teilarbeitsmärkte. Auch die Analyse des IW spricht nicht vordringlich akademische Qualifikationen an: Kältetechnik, Altenpflege, Mechatronik und Elektrik führen die Rangliste der gesuchten Berufe an.

Eine aktuelle Studie die Bundesagentur für Arbeit bestätigt den Bedarf aber auch für akademische Berufe. Demnach lag die Arbeitslosenquote für Akademiker*innen 2013 bei 2,5 Prozent – Bei einem derartigen Prozentsatz spricht die Arbeitsmarktforschung bereits von Vollbeschäftigung. „Die Nachfrage nach Hochqualifizierten bewegte sich ebenso wie die Erwerbstätigkeit und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf Rekordhöhe. Auch mittelfristig dürfte die Nachfrage nach akademischen Fachkräften hoch bleiben. Sowohl der Trend zu höher qualifizierter Beschäftigung als auch die demografische Entwicklung bringen einen steigenden Bedarf an Akademikern mit sich.“ (Der Arbeitsmarkt für Akademikerinnen und Akademiker in Deutschland, 2013, S. 4)

Relevant ist weiterhin, ob die geringe Arbeitslosenquote bei den Akademiker*innen auch bedeutet, dass diese adäquat beschäftigt werden. Hier gibt eine aktuelle Langzeitstudie des Hochschulinformationssystems (HIS/Forum Hochschule, 10/2013) Entwarnung. Vom Prüfungsjahrgang 2001/2002 konnten dies die meisten Befragten der Studie nach 10 Jahren bestätigen – „nur acht Prozent sind in einem Beruf tätig, der dem Hochschulabschluss weder positional noch fachlich angemessen ist”. Ganze 3 Prozent waren über den gesamten Untersuchungszeitraum inadäquat beschäftigt.

Es ist aber auch zu konstatieren, dass der Einstieg in den Beruf in steigendem Maße über befristete und prekäre Beschäftigungsverhältnisse geschieht. Davon sind mittlerweile 29 Prozent der jungen Akademiker*innen betroffen (Westfälische Nachrichten, 27.6.13). Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen Branchen mit deutlichen Vorteilen bei Jobs in der Industrie.

Die insgesamt positiven Signale vom Arbeitsmarkt entbinden die Studierenden nicht von der Notwendigkeit, rechtzeitig den Anschluss an die Arbeitswelt zu suchen und Schritte in diese Richtung bereits im Studium zu gehen.

Die Wahl des Masters

Eine wesentliche Etappe dabei ist die Wahl des passenden Masterstudiums, sofern nicht schon nach dem Bachelor der Weg in das Arbeitsleben gesucht werden soll. Gerade beim Master haben die Hochschulen die Möglichkeit, besondere Studienschwerpunkte auszubilden, so dass ein Bachelorabschluss viele verschiedene Qualifizierungen nach sich ziehen kann, Wer bspw. den Bachelor in BWL erwirbt, kann in unterschiedlichen Feldern wie Controlling, Human Resources oder Marketing (u.a.m.) seinen besonderen Schwerpunkt bilden und so maßgeblich seine Einstellungschancen beeinflussen. Wichtig dabei ist aber: Je vielfältiger die Angebote sind, desto unübersichtlicher ist die Situation nicht nur für Euch, sondern auch für den Arbeitsmarkt. Deshalb erkundigt Euch rechtzeitig nach für Euch möglichen Masterabschlüssen, nach deren Zugangsanforderungen, möglichen Zusatzqualifikationen (Sprachen, Praktika etc.), nach Erfahrungen mit Absolvent*innen auf dem Arbeitsmarkt. Hilfreich können dabei Gespräche mit der Studienfachberatung sein, die vielfach weiß, an welchen Themen die Fachkolleg*innen auch an anderen Hochschulen arbeiten. Eine sehr dienliche Suchmöglichkeit ist der Hochschulkompass (www.hochschulkompass.de), der Euch in der Profisuche bei den weiterführenden Studienabschlüssen übersichtliche Informationen über Zugangsweisen und Inhalte der Abschlüsse und Kontakt auch zu den jeweiligen Fachbereichen bietet. Solltet Ihr bei der Suche Probleme haben, könnt Ihr in die Allgemeine Studienberatung des AStA kommen – bei Eurer Recherche bin ich Euch gerne behilflich.

Im Weiteren ist die Aneignung von Kenntnissen zu nennen, die unabhängig vom konkreten Studiengang Relevanz besitzen und unter den Begriffen „Zusatz-“ bzw. “Schlüsselqualifikationen” gehandelt werden.

Sprachkenntnisse

Zum Reinschnuppern oder Vertiefen werden an der CAU Lehrveranstaltungen für Hörer*innen aller Fakultäten angeboten. Darunter fallen reine Sprachkurse aber auch Spezialisierungen wie Wirtschaftsspanisch oder Englisch für Naturwissenschaften. Sprachkurse, die auch Zertifikate vergeben, werden z.B. von der Volkshochschule angeboten und von Einrichtungen, die den Kulturaustausch mit anderen Ländern fördern: z.B. die Amerika-Gesellschaft, das Institut Français, das Institut für Spanische Sprache und Kultur oder die Deutsch-Italienische Gesellschaft Società Dante Alighieri. Verbunden werden kann der Spracherwerb natürlich auch mit einem Auslandsaufenthalt. Beim International Center erhaltet Ihr Unterlagen von Institutionen, die Sprachkurse im Ausland anbieten.

Getrennt davon gibt es die Möglichkeit, einen Teil seines Studiums im Ausland zu absolvieren. Diese Studienaufenthalte im Ausland dienen offiziell nicht dem Spracherwerb (auch wenn praktisch eine Intensivierung der Sprachfertigkeit erfolgt). Zudem könnt einen Teil Eurer Lebenszeit im Ausland verbringen und erwerbt durchaus beachtete Qualifikationen für spätere Bewerbungen. Erwähnenswert sind die langen Vorlaufzeiten für diese Programme, die durchaus zwischen 12 und 18 Monate betragen können. Also wendet Euch beizeiten an das International Center (Westring 400).

Praktika

Externe Praktika bieten Euch die Gelegenheit, Eure Studienentscheidung auf das Berufsziel hin zu überprüfen, erste Bewerbungsverfahren zu durchlaufen und das Studium zielgerichteter anzugehen. Nach Praktikumsstellen fragt zunächst an Eurem Fachbereich. Für das „Profil Fachergänzung“ gibt es eine Praktikumsbeauftragte – über www.zfs.uni-kiel.de finden Interessierte Informationen zur Praktikumsplatzsuche bis zu einem Mustervertrag.

Gerade zum Thema Praktika engagieren sich auch zahlreiche studentische Initiativen, Ansprechpartner*innen findet in diesem Heft, auf der Webseite der Uni und im Vorlesungsverzeichnis. Eine Übersicht über Online-Datenbanken für Praktikumsplätze findet Ihr auch auf der Webseite des Career Center. Zudem gibt es eine Publikation des Hochschulteams, die Euch Tipps und Adressen rund um das Thema bietet.

Computer und Medien

Vom Rechenzentrum und einzelnen PC-Labors der Fakultäten werden Kurse verschiedenster Art angeboten (Programmiersprachen, HTML, Textverarbeitung, statistische Programme usw.). Hervorzuheben sind hier die Angebote des „Zentrums für Schlüsselqualifikationen“ der Philosophischen Fakultät, das über Computerausbildung hinaus auch Qualifizierungen zu anderen in diesem Beitrag angesprochenen Fertigkeiten anbietet.

Last, but not least: Soziale Kompetenz

Teamfähigkeit ist eine Persönlichkeitseigenschaft, die im Anforderungsprofil von Hochschulabsolvent*innen einen zentralen Stellenwert besitzt. Die neuen Technologien lösen hierarchische Befehlsstrukturen in den Unternehmen mehr und mehr auf – im Zeitalter der globalen Vernetzung erhalten horizontale Kommunikationsstrukturen eine wesentliche Bedeutung. Gefragt sind Menschen, die Gruppenprozesse vermitteln können, über den Tellerrand der eigenen Profession hinaus blicken können und sich wechselnden Anforderungen flexibel stellen. Sinnvoll ist also, dass Ihr Euch selber in Gruppenprozesse einbringt und darin erprobt: im Studium, in studentischen Initiativen, im sozialen Bereich und in der Freizeit.

Diese Punkte wirken in ihrer Gesamtheit sehr umfangreich und Ihr könnt mit Fug und Recht fragen: „Wie soll ich das alles schaffen?” Aber darum geht es nicht. Wichtig ist nur, dass Ihr peu à peu an Eurem eigenen roten Faden knüpft und obige Tipps als Anregung versteht, mit Offenheit und Neugierde die Berufsaspekte schrittweise in Euer Studium einfließen zu lassen. Insbesondere durch den Kontakt mit anderen Studierenden habt Ihr die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, eigene Netzwerke zu bilden und vielleicht ja auch Projekte zu starten, die die Studienzeit überdauern. Damit verändert Ihr die Rahmenbedingungen nicht, aber Ihr verschafft Euch die Kompetenz, mit dieser Situation produktiv umzugehen.

Volker Röhrich

– Allgemeine Studienberatung –

AStA-Büro Wilhelm-Seelig-Platz 3

Montag – Freitag 10.30 – 14.00 Uhr (und n.V.)

Tel. 0431/880-1519

Email: studienberatung@asta.uni-kiel.de

Copyright: Volker Röhrich, AStA CAU Kiel