Bewerben für ein Stipendium

Nach der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks bezogen im Jahr 2012 lediglich 4 Prozent der Studierenden ein Stipendium. Dies ist ein ausgesprochen kleiner Teil der Studierenden, insbesondere wenn sie mit der Zahl der BAföG-Empfänger*innen verglichen wird. Im gleichen Jahr wurden 32% der Studierenden ganz oder teilweise durch BAföG gefördert. Wenn auch die Diskussion über eine gerechte Studienfinanzierung für alle Interessierten in der Gesellschaft weiter geführt werden muss, liegt hier der Fokus auf die bestehenden Angebote an Stipendien.

Denn für die Geförderten hat der Bezug eines Stipendiums deutliche Vorteile:

  • der Lebensunterhalt ist zumindest zum Teil finanziert und somit bietet sich der Freiraum für die Konzentration auf das Studium;
  • im Gegensatz zum BAföG ist das Stipendium ein Vollzuschuss, also auch nicht teilweise zurück zu zahlen;
  • besonders bei den großen Stiftungen werden die Stipendiaten*innen betreut – es besteht also Möglichkeit zum Kontakt mit den Vertrauensdozenten*innen;
  • die ideelle Förderung beinhaltet auch den Austausch mit anderen Stipendiaten und die Nutzung des Netzwerks der Stiftung;
  • für ein späteres Promotionsvorhaben ist eine Studienförderung schon ein Fuß in der Tür für eine spätere Förderung der Doktorarbeit;
  • bei späteren Bewerbungen ist der Nachweis eines Stipendiums ganz sicher eine Referenz.

Die Begabtenförderungswerke

Derzeit fördern über 1700 Einrichtungen Studierende über Stipendien. Die bekanntesten sind die dreizehn großen Begabtenförderungswerke.

Diese Einrichtungen erhalten die finanziellen Mittel aus staatlichen Geldern – sie sollen die Förderung des akademischen Nachwuchses auf eine breite gesellschaftlich Basis stellen.

Die Förderung ist dabei sehr ähnlich. Es wird ein Vollstipendium vergeben, dass z. Zt, max. 670,- Euro im Monat beträgt. Hinzu können ein Familienzuschlag und ein Zuschlag für Kinderbetreuungskosten kommen. Zudem wird ein Büchergeld in Höhe von monatlich 300, Euro gezahlt, das unabhängig vom Elterneinkommen gewährt wird. Schließlich gibt es eine ideelle Förderung – die Stipendiaten*innen werden von Vertrauensdozenten*innen betreut, halten Kontakt untereinander und nehmen an gemeinsamen Aktivitäten teil, z.B. Besuche im Bundestag oder Europaparlament.

Im Unterschied zum BAföG besteht bei einem Stipendium kein Rechtsanspruch. Stipendien werden gewährt, und zwar an diejenigen Bewerber*innen, die die Stiftung als förderungswürdig auswählt.

Das heißt, dass die Bewerber*innen den Werten der Stiftung entsprechen sollen. Bei den parteinahen Stiftungen bedeutet dies nicht notwendigerweise eine Mitgliedschaft – aber eine ideelle Nähe zur Einrichtung sollte gegeben sein. Das Cusanuswerk fördert allerdings ausschließlich Mitglieder der katholischen Kirche.

Die Bewerbungsverfahren sind sehr ähnlich – die Bewerbung ist zu ein oder zwei Terminen im Jahr möglich – die genauen Fristen sind den Webseiten zu entnehmen. Viele Stiftungen ermöglichen dabei eine Bewerbung schon vor Aufnahme des Studiums –

Zum schriftlichen Antrag gehören:

  • Zeugnisse (Abi, Uni-Prüfungen, Leistungsübersichten etc.)
  • Tätigkeitsnachweise von sozialem oder politischen Engagement
  • Lebenslauf
  • Gutachten von Lehrern und/oder Professoren

Motivationsschreiben

Im Motivationsschreiben soll ausgeführt werden, welches Studienvorhaben aus welchen Gründen aufgenommen wurde, warum die Bewerbung für diese Stiftung eingereicht wurde, welches Engagement die Bewerber*innen aufweisen, welche Zielvorstellungen die Bewerber*innen haben und wie dieses Stipendium dabei unterstützen kann.

Es ist wichtig, sich bei der Frage des sozialen oder politischen Engagements nicht einschüchtern zu lassen. Hier muss eben nicht bereits eine Parteilaufbahn erfolgreich eingeschlagen worden sein – es werden auch Aktivitäten in Vereinen, beim Sport, in den Schülervertretung, der Nachhilfe oder in der Kirchengemeinde berücksichtigt.

Auch die Bedeutung der Noten ist zu relativieren. Während bspw. die Studienstifungen des Deutschen Volkes stark die Schulnoten berücksichtigt, legen andere Einrichtungen darauf nicht ein so großes Gewicht.

Nach einer Vorauswahl schließt sich dann ein persönliches Auswahlverfahren an, in dem die Bewerber*innen an Assessment Centern teilnehmen, schriftliche Prüfungen absolvieren und in Einzelgesprächen nach Motivation und Eignung befragt werden.

Weitere Stiftungen

Neben diesen große Begabtenförderungswerken gibt es noch eine Vielzahl weiterer Einrichtungen, die Studierende mit einem Stipendium unterstützen. Zwei sollten an dieser Stelle hervorgehoben werden: Die “Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung-SBB” fördert Studienvorhaben von Arbeitnehmer*innen.

Relativ neu ist das Deutschlandstipendium, dass nicht von allen Hochschulen angeboten wird, aber an der CAU Kiel Studierende fördert.

Die meisten Stiftungen unterstützen Studierende einzelner Fächer, aus bestimmten Regionen oder der jeweiligen Hochschule/des jeweilige Fachbereichs. Förderungen gibt es für Studierenden in besonderen Lebenssituationen, wie Migranten, Studierende mit Kindern oder für Studierenden mit Beeinträchtigungen. Um da den Überblick zu behalten, gibt es online verschiedene Suchmöglichkeiten:

www.mystipendium.de

bietet eine Suchmöglichkeit, für die Interessierte ein Profil angeben müssen. Daraufhin werden spezifische Angebote unterbreitet.

www.stipendienlotse.de

Die Datenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

www.e-fellows.net

Hier ist ebenfalls eine Datenbank zu nutzen. Außerdem bietet die e-follows eigene Angebote für Online-Stipendien und Teilnahme an der Community.

www.arbeiterkind.de

Diese Initiative richtet sich an alle Studierende, die als erste in der Familie einen Studienabschluss anstreben. Neben einer Auflistung von Stipendiengebern und -suchmaschinen unterstützt Arbeiterkind durch Mentoren*innen auch die Bewerbung.

www.stifterverband.info

Im Kapitel “Stiftungen&Stifter” findet sich eine A-Z-Suche, aber auch eine thematische Suchmöglichkeit in der Datenbank des Verbandes.

www.stiftungen.org

Der Bundesverband Deutscher Stifungen bietet im Kapitel “Studienstifungen” einen Sammlung von Datenbanken und Suchmöglichkeiten.

www.myhandicap.de

Diese Webseite gibt im Kapitel “Studieren mit Behinderung” eine Zusammenfassung von spezifischen Stipendienangebote für Studierende mit Beeinträchtigung oder chronische Erkrankungen.

www.uni-kiel.de/foerderer/stipendien/index.shtml

Zentrale Seite der CAU Kiel für Angebote des Deutschlandsstipendiums und andere Förderungsmöglichkeiten. Hier werden auch die spezifischen Angebote für Studierende der CAU vorgestellt.

Zum Weiterlesen: Eine sehr empfehlenswerte Webseite zu vielen Fragen rund um’s Studium ist www.studis-online. Zum Thema Stipendien finden sich dort inhaltliche Erläuterungen und Links zu Stiftungen und Datenbanken.

Auf dem Buchmarkt empfiehlt sich: Borrek, Max-Alexander – Bruckmann, Jan: Der Weg zum Stipendium. Tipps zur Bewerbung für 400 Stipendien und Förderprogrammen. 2, erweiterte und vollständig überarbeitete Fassung. Meckenheim 2011.

Beratung

Wer zu alledem Fragen hat, kann sich gerne in der Allgemeinen Studienberatung des AStA beraten lassen. Voraussetzung für eine solche Beratung ist aber, dass Ihr Euch schon vorab mit dem Thema auseinandergesetzt habt. Recherchiert also selbst und sucht nach passenden Förderungsmöglichkeiten. Wenn dann zur Vorbereitung eines Bewerbungsverfahrens Fragen sind, meldet Euch, damit wir einen Termin abmachen können.

Volker Röhrich

AStA-Studienberatung

Wilhelm-Seelig-Platz 3

Sprechstunden: freie Sprechstunde: Mo-Fr, 10.30 – 14.00 Uhr

Termine mit Voranmeldung: Mo-Fr, 8.00 – 10.00 Uhr, Mi 15.00-17.00 Uhr

studienberatung@asta.uni-kiel.de

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